Wildnis Wochenende

Die Sehnsucht nach NICHTS

Man kann einen seligen, seligsten Tag haben, ohne etwas anderes dazu zu gebrauchen als blauen Himmel und grüne Erde.

 Jean Paul, deutscher Schriftsteller 

Ganz spontan haben wir uns für ein Wochenende in der Natur entschieden. Die Komfortzone zu verlassen, offline sein und uns an einfachen Handlungen des bestehenden Daseins zu erfreuen.  

Stadt, Menschen und Verpflichtungen hinter sich zu lassen, auszubrechen, in die Natur rauszufahren, wo keiner ist. Ich habe eine Sehnsucht nach NICHTS.. und möchte ganz viel OHNE sein….ohne etwas haben zu wollen, ohne etwas zu brauchen, ohne etwas machen zu müssen. Stundenlang im Wald herumstreifen, die Umgebung wahrnehmen ohne sie zu bewerten und ohne es besitzen zu wollen. Nur gehen und schauen, hören, riechen, fühlen und SEIN..

Erstmal ankommen und entschleunigen

Nachdem wir im Wald angekommen sind, wollen wir erstmal die Gegend erkunden und ein paar Tieren begegnen. So gehen wir einfach los und halten danach Ausschau. Leider ist der Wald wie ausgestorben und es ist nicht mal ein kleines Eichhörnchen zu sehen. In unseren Wanderstiefeln stampfen wir durch die Gegend, sind laut, gestresst und aufgewühlt und wundere uns warum wir keinenTieren begegnen. Wir sind zu sehr bemüht ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen, anstatt alles auf sich kommen zu lassen. Die Vögel sind aufgescheucht und sehr laut, innerlich bin ich auch sehr unruhig und schon fast frustriert. Der Wald spiegelt mir genau wider wie ich mich grad fühle.

Mein Sohn tut intuitiv genau das Richtige in diesem Moment. Er zieht seine Schuhe aus, geht in die Hocke und beginnt, wie ein kleiner Indianer, zu schleichen. Ich ziehe meine Wanderstiefel aus und folge wortlos meinem Kind. Manchmal tut es echt gut sich von einem Kind an die Hand nehmen und führen zu lassen. Die Kinder sind die geborenen Entdecker und das absichtslose Eintauchen in die Natur ist bei ihnen natürlich vorhanden. Wir suchen uns eine schöne Lichtung und setzen uns auf einen Baumstumpf. Augen zu, tief durchatmenund nur lauschen!! Nach ein paar Achtsamkeitsübungen spüre ich die Ruhe und die Stille in mir..und bin glücklich. Ich bin endlich angekommen!!!

Grundlagen des Überlebens

„Für das Kind ist es nicht halb so bedeutsam zu wissen als zufühlen“         

Rachel Carson, Biologin

Holz sammeln und hacken

Zu den Erfahrungen in der Wildnis gehört auch das tägliche Kochen auf dem Feuer. Morgens nach einem ausgiebigen Frühstück gehen wir in den Wald, um Holz zu sammeln. Dicke und trockene Baumstämme müssen mit einem Beil gehackt werden. Diese Aufgabe wird mit großer Freude von älteren Kinder übernommen. Zum ersten Mal durfen sie nacheinander mit dem Beil arbeiten und waren danach sehr stolz.  

Feuermachen mit Feuerstein

Nach stundenlangem Holz suchen und hacken sind wir ordentlich hungrig. Jetzt müsste aber erst das Feuer gemacht werden und leider hatten wir kein Feuerzeug dabei. Unter Anleitung der Wildnis Pädagogin von„natur-pur-erleben“ hat mein Sohn ohne Feuerzeug, mit Hilfe von Feuerstein und Zunder („Black Jack“), ein mächtiges Lagerfeuer entfacht!! Die Freude war sehr groß und ich sah ihn 2 Köpfe höher wachsen, so stolz war er. Nach Herzenslust durften die Kinder kokeln, Stockbrot grillen, Rauchzeichen geben. Es war mir sehr wichtig meinem Kind den richtigen Umgang mit Feuer beizubringen. Seit diesem Erlebnis geht er sehr umsichtig und verantwortungsvoll mit Feuer um.

Kochen über dem Lagerfeuer

Es ist ein Erlebnis besonderer Art über dem offenen Feuer einen “Chilli sin Carne” zuzubereiten. Ohne Fleisch, dafür mit Quinoa. Als Basis für die Kochstelle haben wir ein Erdloch von etwa 40 cm und einem Durchmesser von ca. 70 cm gegraben. Eine Begrenzung aus Steinen ist sehr wichtig, um das Lagerfeuer von der umliegenden Wiese und dem Waldrand abzuschirmen. Den Steinrand haben wir ca. 20 cm hochgezogen, den Grillrost auf zwei nicht brennbare Stäbe aufgelegt und fertig war unsere Outdoor Küche. Durch das Feuer ist die Garzeit verkürzt und so ist es wichtig immer konstant zu rühren. Unser Chilli war etwas angebrannt, mundete aber trotzdem sehr lecker!!! Zum Nachtisch gab es über dem Lagerfeuer frisch zubereitetes Popcorn.

Kind hält Feuer in den Händen

Kinder brauchen Natur

Die Zukunft der Natur liegt in den Händen unserer Kinder

Joseph Cornell, Naturpädagoge

 Kinder brauchen Natur. Kinder brauchen Dreck und Matsch. Dieeinfachen Handlungen und einen Raum wo sie unbeaufsichtigt und unbeobachtet wild sein können. Wo sie sich mit Hammer und Nägel ein Baumhaus bauen können und ohne Handschuhe (!) ihre Stöckchen schnitzen durfen. Wo sie lernen dürfenmit dem Feuer umzugehen. Die Eltern sind in der Pflicht, ihren Kindern die Natur und die Wildnis zurück zu geben.  Richard Louv hat in seinem Buch „Das letzte Kind im Wald“ den Begriff „Naturdefizit-Störung“ eingeführt. Damit bezeichnet er die Entfremdung von Natur: die Nichtkenntnis und das Nicht-mehr-Erleben natürlicher Rhythmen und Erscheinungen sowie daraus sich ergebende Folgen für Kinder und Jugendliche, für Erwachsene und die Gesellschaft. Schon ein minimaler Kontakt zur Natur kann die Aufmerksamkeits-Defizit-Störungmildern und dem krankmachenden Stress entgegenwirken. In meinem Artikel „10 Unternehmungenmit den Kindern in der Natur“ kannst du dir noch mehr Tipps holen.

 Und wenn du einen Ort zum Entschleunigen und Runterkommensuchst, dann schau doch mal im MUCK-Das Entdeckerdorf vorbei. Im Artikel “Schäferwagen, Wald und Wiese” findest du mein Erfahrungsbericht.

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